Before Midnight

Before Midnight

Vor Mitternacht

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Prolog;

Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Der Mond ging über der Wüste auf, die Zeit in denen die Bewohner des Planeten aktiv wurden und dem Alltäglichen nach kamen. Während der Tageszeit unter dem unbarmherzigen Licht der Sonne und den Temperaturen die oft die 70 Grad überschritten, war ein Arbeiten so wie man Arbeiten damals auf der Erde verstand, nur sehr eingeschränkt möglich. Daher beschränkte sich das eigentliche Leben der Menschen, die vor 270 Jahren den Planeten besiedelten, auf die Zeit von Abend- bis Morgendämmerung. Dann senkte sich die Temperatur auf ehr mildere 27 bis 32 Grad. Die Spähtrupps sammelten sich im Hangar, das sich gut getarnt in einer der Felsformationen befand, mit ihnen begann das nächtliche Alltagstreiben. Sie zogen umher um nach Schmugglern zu suchen, dass letzte Erbe des Krieges, der vor 25 Jahren Varessk zum Mittelpunkt der neuentdeckten Welten machte. Nur hier gab es die Kristalle, auf der die Raumfahrt dieser Tage aufbaute. Zu mindest bis jetzt, denn seit der Kolonialisierung der neuen Sternensysteme verlor die Erde und die benachbarten Planeten an Bedeutung. Niemand wusste mehr was auf der Erde oder dem Mars in den letzten 270 geschehen war. Die meisten Menschen auf Varessk wussten nicht einmal mehr etwas von Geburtssonnensysteme der Menschheit. Dem war eben so denn die Zeiten der alten Menschheit galt als gezählt.

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Jetzt galt es mit den Folgen eines planetenübergreifenden Krieges zu leben. Auch wenn die feindlichen Kräfte den Planeten verlassen hatten, waren sie noch immer präsent, oder besser ihre Erben. Seit dem der Prerok die Zahl der Kristallexorte eingeschränkt hatte und auch noch die Preise beinahe verdreifachte, wurde Varessk immer wieder von Schmugglern heimgesucht. Die Spähtrupps suchten sie und stellten sicher dass diese Schmuggler nicht wieder kamen. Auf die eine oder andere Art,… meist aber die unschönere. Um die Beweise kümmerten sich die wahren Herrscher des Planeten, riesige Wesen die weder Wurm noch Schlangen waren. Vibrationen lockten sie an, sie gruben sich durch den Sand von Varessk. Daher gestalteten sich nur die Felsmassive und Gebirgsketten als Wohnräume. Die Bewohner nannten die Wüste nicht ohne Grund auch Sandmeer. Gegen Abend war wieder ein Schmugglertrupp ausgelöscht worden, doch ein Sandsturm verhinderte dass man sich um die Beweise kümmern konnte. Der Spähtrupp machte sich auf, dass zu korregieren. Sie hatten den Rand der Bergspitze erreicht, der wie eine Insel aus dem Sand herraus ragte. Sie sahen ihre altbekannte Wüste vorsich aber auch etwas dass für sie neu war. Drei ansich bekannte Spuren von aufgewirbeltem Sand, aber was den Sand aufwirbelte, dass sahen sie nicht.

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Es mussten Fahrzeuge sein, denn die Aufwirblungen waren zu schnell, zudem musste der Verursacher schweben. Einen halben vielleicht einen Meter über dem Boden. Denn Spuren von Kufen, Rädern oder Ketten verriet der Sand nicht. Zudem bewegten sich die Fahrzeuge sehr schnell, zwischen 180 bis 220 km/h. ohne die Sandaufwirblungen würden sie gänzlich unbemerkt bleiben. Der Anführer des Spähtrupps erkannte rasch das Ziel der überaus gut getarnten Besucher, die er keinem der bekannten Feinde oder Schmuggleringe zuortnen konnte. Eine so raffinierte Tarntechnologie stammte nicht aus den bekannten Systemen. Die Ereignisse um den Fall des Imperators und der Aufstieg des Prerok musste sich auch über die bekannten Welten hinaus verbreitet haben.

„Wir müssen uns beeilen,…“ befahl der Anführer ernst, „egal wer die sind, die sind wegen unseren Angriffen auf die Schmuggler hier,… wenn die einen Beweis dafür finden,… dann kann das weitreichende Konsequenzen haben.“ „Was können die gegen uns tun?“ fragte einer der Späher während der Trupp sich in Bewegung setzte, „die haben nicht die Gaben wie der Prerok und seine Vertrauten,…“ „Das mag sein,… aber sie verfügen über Technologien die unseren weit vorraus sind“ betonte der Anführer, „dass könnte ihnen zum Vorteil werden,… zudem stammen sie meiner Meinung nach nicht aus unserem System.“ „Soll das bedeuten dass der Prerok sie nur über seine echten Augen sehen kann?“ hakte einer der Späher nach, „wenn ja warum ist das so?“ „Weil sie aus der Fremde stammen und in manchen Punkten nicht wie wir sind,“ betonte der Anführer des Trupps, „für können andere Regeln gelten,… sie sind Fremde in diesem System.“

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Kapitel 1;

Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Die Jäger mussten ihre ganze Planung auf den Bericht eines Mannes aufbauen. Dieser war vor einem halben Jahr in den terranischen Raum gekommen und wirkte wie ein Mensch der noch nie den Boden der guten alten Erde betreten hatte. Auch war der Besucher aus dem benachbarten System in einer Kleidung aufgetreten die ihn wie einen bunten Hund abhob. Das war aber für die Attah’l nicht wichtig gewesen. Sie hatten die Informationen über Unarten und Heimtücken des Wüstenplaneten erhalten so auch über die Eigenarten der dortigen Ureinwohner. Doch konnte man diesem Mann glauben? Zu mindest entsprachen die Unarten den Beschreibungen, denn der Sandsturm und die Hitze des Tages machte ihnen zu schaffen, trotz der technischen Raffinessen der Rüstungen. Auch die Heimtücke der Wüste entsprach der Wahrheit, denn trotz der Tarnfeldgeneratoren verriet die Wüste ihren Weg zum Zielort. Denn der aufgewirbelte Feinsand musste für ein geübtes Auge meilenweit zu sehen sein. Diese Ureinwohner waren mit dem Leben in der Wüste mehr als vertraut. Sie mussten ihn bereits auf den Fersen sein. Doch die Attah’l waren nicht umsonst als hervoragende Kopfgeldjäger und Söldner bekannt. Zudem besaßen sie selbst Bezüge und Verständniss für kulturelle Begebenheiten. Der Zielort kam in Reichweite und das Wrack des Schmugglerschiffes warf einen Schatten im Mondlicht auf den Sand.

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Ein klaffendes Loch von ca 3 bis 4 1/2 Metern war in die rechte Seite gerissen. Auf der linken fehlte der Flügel, ein Gezielter und gut platzierter Schuss. Die Leichen und Transportkisten lagen um das Wrack verteilt herum. Sie waren bereits von feinen Sand bedeckt. Die sechs Jäger sprangen noch immer getarnt von den Düsenschlitten und aus dem Zwergrihno, so hießen die Schwebepanzer der Mittelklasse. Sie achteten dabei sehr auf die Art wie sie schritten, um nicht einen der Würmer anzulocken, oder besser noch nicht. Sie sahen sich immer wieder um, während sie die Leichen untersuchten. Diese waren bereits stark ausgetrocknet und dementsprechend eingefallen. Doch die Verletzungen waren dennoch klar zu erkennen. In Verbindung mit der Lage der Leichen ließ sich auch die Vorgehensweise der Angreifer recht verlässlich ermitteln.

„Das ganze ist wie folgt passiert,“ sprach Dayo über den Helmfunk, „nach dem sie den Vogel vom Himmel geholt haben,…. sind die Angreifer aus dem Boden gekommen,…“ „sie trennten in einer fließenden Bewegung erst die Kniekehlen durch,“ fuhr er fort, „am Boden stachen sie dann in die Kehlen der Schmuggler oder schnitten sie durch.“ „Die Ureinwohner gefallen mir schon jetzt nicht“ meinte Vaiana ernst, „aber ich werde sie jetzt noch nicht als die Bösen betrachten,… noch wissen nur wir was uns der Repräsentant wissen ließ.“ „Am besten halten wir uns an den Plan,“ beendete sie den Satz, „suchen nach dem Grund dieses Angriffs und plazieren den Sprengstoff,…“ „Wahre Worte,“ stimmte Sebastián zu, „wir sind Jäger unter Jägern,… in deren Revier.“

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Die Sechs setzten die Untersuchung des Absturzortes fort und schließlich fand sie das erste Objekt weswegen sie hier waren. Es war nur ein kleiner unscheinbarer Splitter aber er reichte aus, er war schon mehr als sie erwartet hatten. Der Kristallsplitter wurde sicher verstaut und die Gruppe bereitete den zweiten Teil ihrer Mission vor. Sebastián und Akosua sicherten das Gebiet während Vaiana die Sprengladungen an schwer zugänglichen Stellen anbrachte und die Fernzünder aktivierte. Jetzt zog sich die Gruppe zurück und legte sich auf die Lauer.

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Kapitel 2;

Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Der Spähtrupp näherte sich der Absturzstelle doch von den Fremden waren nur noch die Überreste der Fußabdrücke zu sehen. Diese füllten sich langsam wieder mit Sand, jetzt wandte sich die Heimtücke der Wüste zu Gunsten der Fremden. Sie konnten fort sein, aber vielleicht lauerten sie auch noch irgendwo in der Nähe. Hier hatte man es mit einem Unbekannten zu tun, der wusste wie er sich in einer fremden Umgebung verhielt. Das Problem des Trupps bestand jetzt darin nacht etwas zu suchen von was sie ausgehen mussten, aber nicht wussten wie es aussah. Gleichermaßen galt es die Spuren zu verwischen, dies würde ein Wurm für sie erledigen, wie schon so einige Male. So setzten die Späher einen Stampfer, ein Gerät das gleichmäßige Vibrationen auf den Boden abgab, so ließ sich ein Wurm gezielt an diese Position locken. Aus sicherem Abstand verfolgten sie das ihnen nur all zubekannte Szenario. Zuerst kündigte sich der gewaltige Leib des Ungetüms an, Staub wirbelte auf und die Dünen hoben oder senkten sich, als das gewaltige Tier sich hindurch wühlte. Dann verschwand es und der Sand an der Absturzstelle begann bei zunehmender Bodenvibration zu tänzeln, ehe sich ein Trichter bildete. In diesem versank der Sand und mit ihm das Wrack, die Leichen und Kisten. Das sie dabei nicht die einzigen Zuschauer waren, dass nahmen sie an, mussten es aber hinnehmen. Die Frage war jetzt, was als nächstes geschah.

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Die Attah’l sahen sich bestätigt, der Bote hatte ihnen die Wahrheit gesagt. Vaiana betätigte den Zünder nicht, es wäre vermutlich sinnlos. Selbst wenn die Sprengladung den Wurm töten würde, sie kämen nicht an eine Blut oder Gewebeprobe. Aber so ganz erfolglos war ihre Mission nicht gewesen, sie hatten einen Splitter des Kristalls bergen können, besaßen die Aufzeichnungen der Absturzstelle und wie so ein Wurm von den Einheimischen angelockt wurde. Das reichte aus um die Mission mit einem guten Schnitt abzuschließen. So zogen sie sich still und leise zurück, so wie es aussah würden sie früher oder später zurück kehren. Dies war nur der Anfang, soviel war sicher. Gegen Tagesanbruch erreichten sie ihr Raumschiff und wenige Minuten später hatten sie den Planeten hinter sich gelassen. Während Chloé und Lavrans im Kockpit saßen, blickte Dayo auf das kleine Theraium das sich in dem Mittelteil des Raumschiffes befand. Diese bestand aus zwei von einander getrennten Bereichen. In dem einen befanden sich Ameisen und in dem anderen, dem Größeren, ein Ameisenlöwe. Es war nicht die Auskunft des Boten alleine gewesen, welche die Sechs auf die Gefahr vorbereitete. Die Beobachtung der Insekten und deren Verhalten vermischt mit den Aussagen die ein genaueres Bild über die Gefahr ausmachten.

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So hatten die Attah’l das Verhalten mancher Ameisen studiert, die durch ein geschicktes Trittmuster den Ameisenlöwen austricksen konnten. Das mischten sie mit den Bewegunsgmustern der Beduienen, die durch ihre Art und Weisen ohne Spuren zu hinterlassen durch die Wüsten reisten. So kam alles zu einem Gesamtbild dass sich auf Varessk schließlich bestätigt hatte. Ihr jetziges Ziel war eine Raumstation die gutgetarnt im Asteroidenfeld des benachbarten Mondes befand. Eine schmutzige und verkommende Ansammlung aus Schrott und abgenutztem Material, dass augenscheinlich nicht einmal zusammenhalten dürfte. Der Namen dieser Raumstation war Shithole, Drecksloch war ein recht passender Name für das Konstrukt. Aber dies war nur eine Tarnung,… ein äußeres Erscheinungsbild um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen.

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Kapitel 3;

Im Asteroidenfeld des zweiten Mondes von Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Die Station kam immer näher und ihre wahre Größe offenbarte sich. Sie bestand nicht nur aus einem Modul, sondern umfasste mehrere und auch einige Asteroiden. Die Module selbst waren Quader und Zylinder von der Größe von Kleinstädten. Sie waren durch Stahlröhren von der Länge und Durchmesser von Autobahntunneln verbunden. Die Asteroiden verbanden robuste Stahlgitter und andere Konstruktionen mitander. Dazwischen Netze und schwebende Fahrzeuge die sich an kleineren Asteroiden zuschaffen machten. Alles in allem machte es ein funktionsfähiges Gesamtbild, aber es sah auch so aus, dass nur noch das Notwendigste getan wurde. An einigen Stellen sah man mit dem blosen Blick die mehrfach übereinander geschweisten Stahlplatten. Auch zeigte sich dass die Beleuchtungsanlagen gänzlich verschieden waren. Die ganze Anlage wirkte lose aus etlichen Systemen verschiedener Raumfahrtperioden zusammen geschustert. Das Raumschiff der Attah’l erreichte die Andockbucht, ebenfalls keine vertrauenswürdige Konstruktion. Der Landeanflug begann und verlief überraschend unproblematisch ab trotz der sichtbaren Zustände. Die Sechs liefen durch die Verbindungsröhre, die bedenklich knirschte und knarrzte, bis sie vor der Schleuse zum stehen kamen.

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Durch die Helme nahmen sie jetzt den Geruch von Schmieröl und Kühlflüssigkeiten war. Das Hangar war genau ausreichend ausgeleuchtet und auch wenn es hier jetzt nicht ganz so herunter gekommen wirkte, alle hier hatte schon bessere Tage gesehen. Doch schien alles zu funktionieren was funktionieren musste. An einigen Stellen hingen Ketten herab, die als Halterungen von sichtbar oft gbrauchtem Werkzeug dienten. In einer Ecke des Hangars standen sauber zusammengestellte Behälter. Diese waren leicht zerbeult und die original Farben existierten nicht mehr. Doch schien dies gewollt zu sein. Jetzt hörten sie das Hämmern auf Metall das hin und wieder unterbrach. In einem abgeteilten Bereich sahen sie die Verursacherin des Lärms, eine Technikerin die mit einem 39 Ringschlüssel gezielt auf einen noch neuen Behälter einschlug oder ihn mit einer Farbspraydose ansprühte. Der Overal der Frau war abgetragen und fast komplett von Öl,- und Farbflecken übersäht. Zu seinen besseren Zeiten war die Arbeitskleidung wohl dunkelblau gewesen. Die kurzen blonden Haar waren verpfilzt und auch im Gesicht der Frau fanden sich Ölflecken. Ihre Augen waren leicht vertränt, als sie die Sechs für einige Minuten ansah. Bevor sie sich dann wieder an dem Behälter zu schaffen machte.

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Irgendwie hatte der Blick der Frau etwas wölfisches, die Sechs rechneten damit, ihr bestimmt noch einmal über den Weg zu laufen. Jetzt hörten sie ein Zischen und erblickten wie aus einem der Rohrbündel an der Wand grüngelblicher Dampf ausstieß, er stank jetzt nach abgestandenem Fett. Das dieses Zeug wohl nicht gefährlich war, darauf ließ das Verhalten der Leute schließen, die im Hangar arbeiteten. Zwei kümmerten sich um das Problem in dem sie das Leck mit einem plumpen Reperaturkitt wieder abdichteten. Den Spuren nach kam dies wohl öfters vor. Jetzt verließen sie das Hangar und kamen in einen größeren Raum. Dieser war ein Treffpunkt, der an einen Bahnhof einer Grubenbahn erinnerte. Dem schien wohl auch so zu sein. Denn auf halbherzig arbeitenden Digitalanzeigen stand;

Zug zum Vergnügungsviertel in 15 Minuten,

Zug zum Mienendistrikt in 30 Minuten,

Zug zum Außendistrikt in 5 Minuten.

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Kapitel 4;

Im Asteroidenfeld des zweiten Mondes von Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Tonya hämmerte weiter mit dem Schraubschlüssel gegen den Behälter, aber nun verfolgte sie über einen kleinen Bildschirm die Neuankömmlinge. Aber sie war nicht das einzige Lebewesen in dem Hangar. In einer Ecke wo sich der Müll häufte, machte sich eine dicke und unförmige Ratte daran zu schaffen, Essensreste aus den abgestandenen Verpackung zu finden. Doch das Nagetier wurde beobachtet, von etwas dass in ihm eine fette Mahlzeit sah. Ein Rascheln und Rumpelln war zu hören und die athletische Blondine sah auf.

„Drogon!“ zischte sie laut, „geht es auch leiser?“

Wieder raschelte es und ein zweibeiniges Reptil von der Größe eines großen Huhns näherte sich. Das Tier hielt die noch lebende Ratte in den Klauen, die Krallen bohrten sich in den Körper des Nagetiers, dann biss das Reptil zu und verschlang die Ratte. Tonya schüttelte mit Kopf und strich dem Reptil über den schuppigen kleinen Kopf.

„Ach du bist echt unmöglich Kleiner,“ sprach sie zu dem Reptil dass ihr dafür in die Augen sah, „dass ist die neunte Ratte heute,… irgendwann musst du doch mal satt sein.“

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„Weisst du was,…“ fuhr sie dann mit einem Grinsen fort, „wir spielen jetzt Dosenschießen,… bereit?“

Das Reptil nickte und gab ein zufrieden Klicken von sich. Jetzt zog die Blondine eine Tüte mit einem eingefrohrenen Kücken hervor. Sie zog es hervor und versteckte es in einer Dose. Das Reptil sah die Dose an, dann begann es seinen Speichel zu sammeln und dann spieh es eine Ladung die drei Meter weit. Es traf die Dose und diese fiel um.

„Fein gemacht Großer“ freute sich Tonya und überließ dem Reptil seine wohlverdiente Beute, „aber jetzt müssen wir uns verziehen,… sonst verlieren wir unsere Besucher aus den Augen.“

Das Tier schien dies zu verstehen und sprang in den Rucksack. Rasch verließen sie die Werkstatt und machten sich zum Bahnhof auf. Die Besucher fielen auf wie bunte Hunde, eine perfekte und saubere Rüstung, dazu eben das markante Erscheinungsbild. Sie wusste dass es Attah’l waren, was verschlug sie in das Shithole? Arbeiteten sie für einen der Crimelords oder doch für den ehemaligen Impeator? Sie wandte sich über ihre Smartwatch an ihre Kameraden.

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„Hey Leute,… hier ist Besuch von der Erde,…“ sprach sie leise, „sechs Attah’l befinden sich am Bahnhof,… ich bleibe am Ball.“ „Ok,…“ kam es zurück, „wir stoßen bei Gelegenheit dazu,… Big Jimmy hat sich mal wieder zuweit aus dem Fenster gelehnt.“ „Dann bis später Leute,“ beendete Tonya das Gespräch, „wir sehen uns dann später.“

Dann schloss sie den Attah’l auf, die den Zug zum Vergnügungsviertel betraten. Was zum Henker,… dachte sie,… was wenn sie für Big Jimmy arbeiten? Sie setzte sich auf einen freien Platz und schaltete ihren heruntergekommenden Walkmann an wippte mit dem Kopf. Behielt dabei aber die Besucher im Auge.

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Kapitel 5;

Im Asteroidenfeld des zweiten Mondes von Varessk, Montag 04.04.2376 n. n. Z;

Der zusammengeschusterte Zug kroch mit vielleicht gerademal 30 Km/h über die Gleise. Das Gerappelt überönte die meisten Gespräche in den Wagongs. Nur das lautere Gebrüll zweier Angetrunkener war zu hören. Die Attah’l ignorierten die meisten Leute außer die blonde Frau in dem verschmierten Overall.

„Da ist sie wieder,“ bemerkte Dayo Gbeho über das Funksystem des Helms, „ich denke unsere Rüstungen müssen echt auffällig sein.“ „Hier ne saubere Kleidung zu sehen muss ja schon ne Attrakion sein,“ kam es von Chloé zurück, „gut dass wir nen Geruchsfilter im Helm eingebaut haben.“

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Jetzt sahen sie wieder aus dem Fenster und erblickten ein halbverostetes Schild. Auf diesem stand die Tunnellänge von 16,9 Kilometern, der Innendurchmesser von 80 Metern und einen Außendurchmesser von 88 Metern. Bei einer Geschwindigkeit von 30 Km/h würden sie noch gut 34 bis 40 Minuten unterwegs sein. Jetzt aufeinmal erschien neben dem Gleißbett eine breite etwas besser ausgebaute Straße, auf dieser fuhren zwei große Kipper, wie sie in Steinbrüchen zum Einsatz kamen. Diese waren randvoll mit verschiedenfarbigen Müllsäcken beladen. Passend dazu verzogen einige Leute das Gesicht.

*

Tatsächlich erreichte der Zug nach gut einer halben Stunde den Bahnhof des Vergnügungsbezirks. Hier machte es einen überraschend guten Eindruck, im Vergleich zu dem bisher gesehenen. Hier fand wieder eine Einteilung statt. Im wesentlichen wurden die Anreisenden in eines der zwei Vergnügungsviertel zugewiesen oder dem Wartungs- und Versorgungsbereiches. Die Viertel hatten alle sogar wie völlig zu erwarten war, Spitznamen bekommen. Diese mussten irgendwann einmal mit Sprühfarben an die Wände gesprüh worden sein.

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Das links liegende Viertel hieß Before Midnight.

Das rechte Viertel hieß After Midnight.

Über dem Zuweg zum Wartungs- und Versorgungsbereiches prangerte das Wort Valley of the Dead.

Und noch ein Wort war in verschiedenen Schmierereihen mehr als einmal zufinden.

King Slomo

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Randnotizen;

16,9 Kilometern Länge, 80 Meter Innendurchmesser,

88 Außendurchmesser, 34 Minuten Fahrzeit bei 30 Km/H

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Kapitel 6;

Im Asteroidenfeld des zweiten Mondes von Varessk, Dienstag 05.04.2376 n. n. Z;

Die Attah’l hatten den Tag erneut auf Varessk verbracht um weiter die Ureinwohner zu beobachten. Tagsüber zeigten sich nur wenige von diesen und dies reduzierte die Gefahr in einen Hinterhalt oder sonst irgendeine Art von Falle zu laufen. Jetzt aber saßen sie wieder im Before Midnight Vergnügungsbezierk, dass Bullitsin war eine der vielen heruntergekommen Kneipen, die zur Kernseite des Asteroiden lagen. Der Söldnertreff erfreute sich großer Beliebtheit, was wohl an dem sauberen Wasser und echtem terranischen Essen lag. Die Musik war naja,… sie entsprach nicht dem Geschmack der Sechs, aber sie hätte auch schlimmer sein können. Neben ihnen hielt sich noch eine weitere Gruppe Söldner in der Kneipe auf, die ebenfalls durch ihr Outfit sich von den anderen deutlich abhob. Die fünf Männer trugen allesamt einen langen Ledertrenchcoat, abgetragene Bikerhosen, Kampfstiefel und dazu einen Cowboyhut. Das Gesambild ergab den Versuch einen modernen Cowboylook darzustellen. Das laute und schrille Auftreten zweier Nutten untermauerte das Bild, denn beiden riefen laut auf,

„hey,… die Space Cowboys sind wieder da,… hoffe Jimmy hat noch zwei Zimmer frei,…“

Die Attah’l nahmen dies nur beiläufig zur Kenntniss, da sie sich mehr für eine andere Gruppe Menschen interressierten, die ebenfalls durch Eigenarten auffielen. Bei diesen handelte es sich um leuchtendblaue Augen so auch einem Halsband und einem Gürtel, dass irgendwie mit einander zu tun haben musste. Was aber genau wussten die Sechs nicht aber zogen ein Gerücht und die Aussagen des Auftragebers näher in Betracht.

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Die Gruppe der Blauäugigen bestand aus einer Frau mit schulterlangen dunkelbraunen Haaren, sowie zwei Männer mit kurzen schwarzen Haaren. Neben den seltsamen Augen hatten die Drei als weitere Gemeinsamkeit eine sonnengebräunte Haut. Jetzt fiel der Blick kurz auf den Barkeeper und die beiden Nutten. Sie wurden plötzlich sehr viel ruhiger, fast schon zu ruhig. Was sich schnell auch auf die anderen Besucher übertrug. Nur die Space Cowboys blieben laut und bei scheinbar guter Laune. Jetzt erhob sich einer der Fünf und musterte mit gehässigem Blick die Frau mit den leuchtendblauen Augen.

„Schau mal einer an,“ lachte der Mann verächtlich, „hätte die Schlampe nicht so leuchtende Augen würde ich sie mir glatt mit aufs Zimmer nehmen und sie durchficken.“

Die anderen Space Cowboys sagten nichts dazu, aber sie lachten laut und klaschten in die Hände. Jetzt erhoben sich die drein Blauäugigen und sahen sich schweigend an. Dies zog die Aufmerksamkeit der Attah’l auf sich. Denn die Sechs glaubten, dass die Drei sich durch Gestik und Mimik oder auf einer anderen tonlosen Form unterhielten. Dann offenbarte sich die Funkion des Halsbandes und des auffälligen Gürtels. Die Drei betätigten versteckte Knöpfe und binnen Sekunden waren sie von einem Schimmer umgeben, der je nach dem zwichen Weiß und hellem Blau wechselte. Dies musste eine Art Schildtechnik sein, welche den Terranern unbekannt war.

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Dann traten die Drei mit Messern bewaffnet im schnellen Schritt auf die Space Cowboys zu. Diese eröffneten dass Feuer, doch keine Kugel kam durch das Energiefeld. Als die Fünf dies begriffen und selbst zu ihren Macheten griffen, war es bereits zu spät. In einem nur wenige Minuten dauernden Kampfes, bei dem die drei Blauäugigen eine beeindruckende Kunst mit dem Messer an den Tag legten, war der Spuk zunächst vorbei. Die fünf Space Cowboys lagen auf dem Boden und windeten sich. Aus den durchschnittenen Kehlen sprudelte das Blut und verteilte sich auf dem Boden. Da niemand in Panik geriet und auch niemand sonst Anzeichen von Ekel zeigte, ließ darauf schließen dass so etwas wohl häufiger vorkam. Die Attah`l sahen sich kurz an, sie brauchten keine Worte wechseln, auch wenn die Space Cowboys die Drei provoziert hatten, sie deswegen gleich zu massakrieren war dann doch etwas übertrieben.

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Epilog;

Im Asteroidenfeld des zweiten Mondes von Varessk, Dienstag 05.04.2376 n. n. Z;

Dayo Gbeho, Chloé Durand und Lavrans Halvorsen erhoben sich ruhig und von den drei Schildträgern augenscheinlich nur wenig beeindruckt. Die übrigen Attah’l bezogen neben der Tür Position. Die Frau mit den leuchten Augen nickte ihren Kampfgefährten zu, dann zogen alle ein zweites Messer. Alle anderen Anwesenden in der Kneipe zogen sich an die Wand und die Ecken zurück. Nur einige wenige schienen Wetten abzugeben. Wundersamerweise fielen die meisten der Wetten auf die Attah’l. Wobei die sechs Terraner nicht wirklich wussten wie sie die Schilde durchbrechen konnten. Aber vielleicht war dies auch nicht nötig. Auch die kleine blonde Mechanikerin erschien jetzt wieder und hielt ihr Brecheisen feste umklammert. Sie machte nicht den Eindruck als ob sie sich fürchtete, mehr als ob sie noch mit einer weiteren Überraschung zu rechnen schien. Das sie beinahe wie ein Geiste aus dem Nichts erschienen war, darum würden sich die Sechs später noch kümmern. Zu einem Wortwechsel zwischen den beiden Gruppen kam es nicht, aber dem Grinsen nach zu urteilen fühlten sich die drei Blauäugigen ihrem Sieg sicher. So begann ein Handgemenge zwischen beiden Gruppen, in dem sich nicht abzeichnete, wer gerade dominierte und wer nicht. Tonya Suarez Krueger verfolgte jeden Schlag und Tritt, für sie standen die Sieger bereits feste, wenn nicht etwas unvorhersehbares dazwischen kam. Wenn doch, sie war ja noch da, sollte ein Eingreifen nötig sein wusste die zierliche Blonde auf wessen Seite sie stand.

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Die drei Blauäugigen verließen sich ganz auf ihre Energieschilde, denn im Kampf selbst schienen diese Fremden ihnen ebenbürtig zu sein, vielleicht sogar im Vorteil. Doch sie wussten nicht wie man die Schilde knacken konnt, dass sorgte für einen Ausgleich. Nach etwas über drei Minuten hin und her winkte die blauäugige Frau mit den dunkelbraunen Haaren einer Person zu, die sich unter den Zuschauern befand. Die Stimmung unter diesen hatte sich mittlerweile gewandelt. Anstelle von Vorsicht und Zurückhaltung sahen sie zu wie Zuschauer bei einem Ringkampf. Immer lauter waren die Wetteinsätze zu hören. Ein vierter Mann trat aus der Menge und aktivierte sein Schild, doch war sein Auftritt nicht so überraschend wie er es wohl dachte. Die zierliche verdreckte Mechanikerin war ebenso überraschend vor ihm aufgetaucht, so dass er unweigerlich über sie stolpern musste. Sie war rascher auf den Beinen als es dem Mann lieb war. Während dessen waren auch die Attah’l von der Defensive in den aktiven Kampf übergegangen und wie der Zufall es so wollte, bot sich ein Blick der so einige Fragen auf einmal beantwortete. Die zierliche blonde Frau in dem versauten Overal kniete auf einem Mann ebenfalls in einem Energieschild, sie drückte ihm die gerade und spitze Seite des Brecheisen durch das Energiefeld. Zunächst in Zeitlupe, wohl nach dem das Metall durch war, mit einem plötzlichen starken Ruck. Der Mann im Schild zitterte und zuckte, als die Blonde die nun blutverschmierte Seite des Brecheisens wieder heraus zog.Den anderen drei Blauäugigen entging dies nicht, sofort lösten sie sich aus dem Kampf und hoben die Hände.

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„Stop!“ rief die Frau in den dunkelblauen Haaren plötzlich besorgt, „ihr habt gewonnen,… lasst uns ziehen,… ihr habt mit der Sache hier nichts zu tun,…“ „Warum mussten die fünf Männer gerade sterben?“ fragte Dayo mit technischverzerrter Stimme, „nur wegen falschem Stolz jemanden zu massakrieren?“ „Das geht euch nichts an!“ zischte die Blauäugige eher unruihg als wütend, „lasst uns raus,… bevor,…“ „Bevor wir eintreffen?“ folgte es von einer weiteren mechanisch verzerrten Stimme, „eure Freunde auf der Straße haben versagt,…“ fünf Spacemarines in schwarzen Rüstungen traten in die Kneipe und machten sich ein Bild der Lage, „die drei gehören jetzt uns,…“ sprach der Commander des Trupps, „die werden jetzt bezahlen,…“

Dayo erkannte die schwarzen Rüstungen sofort wieder und auch die Heraldik auf den Schultern war ihm nicht unbekannt. Er nickte seinen Gefährten zu und die Attah’l überließen das Feld den Spacemarines.

„Die Frau nehmt mit,“ befahl der Commander einem weiblichen Marine, „was mit den anderen zu tun ist,… sie werden das Versagen ihrer Freunde teilen.“

Nun folgte wieder ein Moment bei dem in der Kneipe Stille eintrat. Je zwei Marines hoben die Männer in Energieschilden am Halse hoch und schoben dann ihre wuchtigen Pistolen in Zeitlupe durch das Energiefeld und drückten ab. Sie ließen die Körper fallen und zogen sich dann mit der Gefangenen zurück.

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Anmerkung des Autors;

Auf Grund von Aufräumarbeiten wurden die ganzen einzelnen Kapitel jetzt in diesem Beitrag zusammen gelegt. Da der erste Teil der Geschichte jetzt fertig ist, würde ich gerne eine Kritik zum ersten Teil wissen.

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